Erfahren Sie mehr über die Wunder der Antarktis

Die Antarktis ist das am wenigsten erforschte Gebiet der Welt. Schätzungsweise haben in der Geschichte kaum 200.000 Menschen einen Fuß auf den Kontinent oder die ihn umgebenden Inseln gesetzt. Die meisten davon sind Touristen, die auf Kreuzfahrtschiffen anreisen und auf kurzen Landausflügen die Wunder der antarktischen Halbinsel bestaunen. Diejenigen, die länger in der Antarktis bleiben, sind in der Regel Wissenschaftler. Sie studieren Organismen in dem noch weitgehend unberührten Lebensraum oder betreiben Forschungen über die Klimaentwicklung, um weitere Anhaltspunkte über den Ursprung des Universums zu erhalten. Deutschland ist mit der seit 1982 ganzjährig besetzten Neumayer-Station in der Antarktis vertreten.

1) Was ist die Antarktis für ein Kontinent?

Die Antarktis ist der höchste, trockenste, windigste und kälteste Kontinent auf der Erde. Mehr als 99 Prozent ist mit Eis bedeckt. Der Eispanzer der Landmasse ist an einigen Stellen fast vier Kilometer dick. Der gesamte Eisanteil der Antarktis macht ungefähr 70 Prozent des Süßwassersvorrats der Welt aus. Zum Vergleich: Kanadas Süßwasseranteil liegt bei ungefähr sieben Prozent. Generell unterteilt man den Kontinent in zwei Hauptbereiche: Ostantarktika liegt östlich des Meridians von Greenwich und westlich des 180. Längengrades. Westantarktika liegt größtenteils westlich des Meridians von Greenwich und östlich des 180. Längengrades.

Geographisch werden die beiden Großlandschaften durch das Transantarktische Gebirge getrennt. Es dehnt sich über den gesamten antarktischen Kontinent aus, ist meist aber unter dem Eis begraben. Sichtbare Felsen des Gebirgszuges, die über die Eisschicht ragen, werden „Nunatak“ genannt. Sie verleihen der Antarktis ihre majestätische Aura und können erstaunlicher Weise auch als Nistplätze für Vögel dienen.

2) Wie groß ist die Antarktis und wo liegt sie genau?

Die Antarktis ist der fünftgrößte der sieben Kontinente. Sie umfasst als geographische Polarkreiszone bis 66 °C 33' südlicher Breite 21,2 Millionen Quadratkilometer. Die genaue Fläche des Festlands ist nicht bekannt, da viele Teile der dauerhaften Eisbedeckung am Rand aus Schelfeis bestehen, das Wasserflächen – zum Beispiel – Meeresbuchten überdeckt. Der Umriss des Kontinents ist annähernd kreisförmig, mit einem langen Arm der antarktischen Halbinsel, der sich in Richtung Südamerika ausdehnt. Es gibt zwei große Meeresbuchten: das Rossmeer und das Weddell-Meer mit ihren Schelfeisen.

Die Totalfläche des Kontinents (einschließlich aller Inseln und Schelfeis) liegt bei ungefähr 14,2 Million Quadratkilometer. Das entspricht der doppelten Größe Australiens, der anderthalbfachen Landfläche Kanadas und dem 40fachen Deutschlands. Im Winter verdoppelt sich die Größe der Antarktis noch durch die Eisbildung an den Küstenzonen. Die zutreffende Grenze der Antarktis ist nicht die Küstenlinie des Kontinents selbst oder die Inseln, sondern die antarktische Konvergenz – auch Meinardus-Linie genannt. Das ist jene Zone, in der kaltes, nordwärts fließendes Oberflächenwasser der Antarktis auf wärmeres, südwärts fließendes Oberflächenwasser aus dem Norden, den subantarktischen Bereichen des Atlantiks, Pazifiks und des Indischen Ozeans, trifft.

Die Antarktis ist der höchstgelegene Kontinent der Erde. Die durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel beträgt 2.500 Meter, wobei der Südpol auf 2.835 Metern liegt. Der höchste Berg ist mit 4.897 Metern das Vinson Massif. Der niedrigste – bisher entdeckte – Punkt ist der Bentley Subglacial Graben in der West Antarktis. Er liegt 2.499 Meter unter dem Meeresspiegel. Der Graben ist von mehr als 3.000 Metern Eis und Schnee bedeckt.

Die nächstgelegenen Landmassen der Antarktis sind das ungefähr 1.000 Kilometer entfernte Südamerika, das etwa 2.500 Kilometer entfernte Australien oder das 4.000 Kilometer entfernte Südafrika.

3) Wie ist das Wetter in der Antarktis?

Kalt. Am 21. Juli 1983 wurde an der russischen Forschungsstation nahe dem magnetischen Südpol mit -89.2 °C die niedrigste Temperatur gemessen, die jemals auf der Welt festgestellt wurde. Die Station befindet sich nahe dem Pol der Unzugänglichkeit – dem Punkt auf dem antarktischen Kontinent, der am weitesten von den Wassermassen des Ozeans entfernt ist. Wegen ihrer höheren Lage ist die östliche Antarktis kälter als die Westliche. Wettersysteme dringen selten weit in den Kontinent ein und lassen das Plateau daher kalt und trocken.

Die Antarktis ist nicht nur kalt, sondern auch sehr starken Winden ausgesetzt. Ruhige Perioden sind eher selten und dauern nur Stunden. Im Juli 1972 – im antarktischen Winter – notierten Forscher an der französischen Dumont d'Urville Station eine Windgeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde. Im Inneren sind die Windgeschwindigkeiten aber gewöhnlich gemäßigter. Einer der Winde ist der katabatische Wind, ein ablandiger Fallwind: Über dem antarktischen Eisschild kühlt sich die Luft ab und nimmt so in ihrer Dichte zu. Als Druckausgleichsströmung mit der wärmeren Umgebung entsteht der kalte, katabatische Wind, der Orkanstärke annehmen kann. Diese katabatischen Winde spielen eine wesentliche Rolle bei der Bildung von Meereis und damit der Entstehung von antarktischem Bodenwasser.

4) Gibt es auch Niederschläge?

In den Küstenregionen sind schwere Schneefälle nicht selten. Dort wurden schon Schneefälle von bis zu 1,22 Metern in 48 Stunden notiert. Im Landesinneren gibt es dagegen fast gar keinen Niederschlag. In einigen abgelegenen Tälern und trockenen Senken ist anzunehmen, dass über tausende von Jahren kein Niederschlag gefallen ist.

5) Ist es in der Antarktis kälter als in der Arktis?

Im Allgemeinen ja. Ein Grund dafür ist, dass das antarktische Eis mehr als 90 Prozent der ankommenden Sonneneinstrahlung reflektiert. Die übrigen 10 Prozent werden durch die Atmosphäre absorbiert oder durch Wolken reflektiert. Außerdem kühlt die Antarktis nach einer Erwärmung im Sommer im Winter schneller wieder ab als die Arktis. Aber: Die Antarktis erwärmt sich schneller als die Arktis, denn das Ozeanwasser trägt die Wärme vom Äquator zu den Polen und die antarktischen Landmassen heizen sich grundsätzlich schneller auf als das Wasser der Arktis.

6) Kann man interessante Wetterphänomene beobachten?

Die extreme südliche Lage, die langen Perioden konstanter Dunkelheit oder Tageslichts schaffen klimatische Phänomene in der Antarktis, die in Europa kaum bekannt sind. So gibt es die Aurora Australis – das Südlicht – ein Leuchten, das am Nachthimmel nahe dem Südpol beobachtet wird. Es wird durch Plasmageladene Sonnenwinde hervorgerufen, die auf die Erdatmosphäre treffen. Ein anderes einzigartiges Schauspiel ist  der „Diamantstaub“, eine bodennahe Wolke, die aus kleinen Eiskristallen besteht und Licht in Prisma Farben bricht.

Faszinierend sind die Nebensonnen. Sie sind Haloerscheinungen, die in einem Abstand von etwa 22 °C links oder rechts, manchmal auch beidseitig, neben der Sonne auftreten. Dabei sieht es so aus, als ob neben der eigentlichen Sonne eine zweite, schwächere, stehen würde. Dieses Phänomen kann mit bis zu vier 4 Nebensonnen auftreten.

7) Gibt es Jahreszeiten in der Antarktis?

Durch die Neigung der Erde und der Umlaufbahn der Erde um die Sonne bekommen die Polarregionen weniger Energie und Wärme von der Sonne. Aus diesem Grund gibt es in beiden Polar Regionen nur 2 Jahreszeiten. Sommer und Winter. Im Sommer bleibt die Sonne immer über dem Horizont und im Winter darunter. Ein Jahr in der Antarktis besteht am Südpol also aus sechs Monaten Tageslicht und sechs Monaten Dunkelheit.

8) Wie muss man sich die Antarktis vorstellen?

Die Eiskappe  ist ununterbrochen in Bewegung und somit sehr uneben und dynamisch. Gletscher – sehr große Flüsse aus Eis, die sich im Inneren des Kontinents bilden – fließen in Richtung Küste und bilden das Schelfeis. Dort, wo sich ein Gletscher bewegt, bricht das Eis und wird durch die zugrundeliegenden Felsen oder auch durch die unterschiedlichen Eisströme zerrissen. Der Eispanzer ist deshalb an vielen Stellen ein gefährlicher Untergrund: er weist unzählige Gletscherspalten auf, die viele hundert Meter tief sein können und häufig von instabilen Schneebrücken bedeckt werden. Zudem wird vermutet, dass es Bereiche weit unter dem Eis gibt, in denen vulkanische Ereignisse stattfinden. Diese Wärme könnte an einigen Stellen das Eis schmelzen und zu Wasseransammlungen führen, durch die darüberliegenden Gletscher geschmiert werden und sehr schnell fließen.
Andere interessante Schneeformationen in der Antarktis sind Sastrugi – scharfe, unregelmäßige Furchen oder Verwehungen, die von stetigem Wind im Schnee gebildet werden. Sie treten durch Winderosion und Schneeablagerungen auf. Sie unterscheiden sich von Sanddünen dadurch, dass die Kanten zu den vorherrschenden Winden parallel verlaufen. Für Expeditionen sind die Sastrugi ein anstrengendes Phänomen. Das Navigieren auf der von zerfressenen Schneeoberfläche ist sehr ermüdend und eine große Belastung für Körper und Ausrüstung.

9) Gibt es Pflanzen oder Bäume?

Es gibt keine Bäume in der Antarktis. Aber trotz der unwirtlichen Klimabedingungen hat sich in bestimmten Regionen über Millionen von Jahren eine einzigartige – wenn auch artenarme – Flora etabliert.
 
Im Gegensatz zum vielfältigen Leben in den Ozeanen und an den Schelfeisrändern erscheinen die wenigen eisfreien Regionen, die auch als antarktische Oasen bezeichnet werden und die sich im Innern der Antarktis befinden, öde und leer. Hier werden kaum höher entwickelte Lebensformen vorgefunden. Stattdessen werden diese Gebiete vorwiegend von Mikroorganismen, Moosen und Flechten sowie einigen wirbellosen Tieren bevölkert. In der gesamten Antarktis gibt es nur drei Blütenpflanzen. Flechten sind auf eisfreien Bergspitzen 475 Kilometer vom Südpol entdeckt worden. An einigen dieser Stellen werden bloße Felsen von roten, orangen und gelben Flechten kolonisiert. Dort wo Felsen für große Teile des Sommers freiliegen, können grüne Flechten, die einige Zentimeter hoch wachsen, aus der Ferne betrachtet den Eindruck einer Wiese vermitteln. Neben diversen Algen wurden mittlerweile mehr als 200 Flechtenarten, mehr als 100 Arten von Moosen und Lebermoosen sowie etwa 30 Makrofungi gefunden.

10) Leben auch Tiere in der Antarktis?

Entgegen manchem Glauben gibt es keine Eisbären in der Antarktis. Das größte dauerhaft landlebende Tier ist eine 12 Millimeter große, flügellose Zuckmückenart (Belgica antarctica). In den Meeren wimmelt es von riesigen Schwärmen antarktischen Krills (Euphausia superba) und anderer Kleinkrebse. Wegen der extremen Kälte haben diese sowie auch andere Kleintierarten Glycerin (eine Art von Frostschutzmittel) als Teil ihrer Körperflüssigkeit, um dem Erfrieren vorzubeugen. Der Krill bildet den Anfang der Nahrungskette für die zahlreichen Meeres- und Landtiere wie Fische, Wale, Kalmare, Seelöwen, Seehunde, Pinguine und Meeresvögel.

Berühmtester und beliebtester Bewohner der Antarktis ist der Pinguin. Von den 17 Arten brüten jedoch nur der Adelie-Pinguin, der Emporer-Pinguin, der Chinstrap-Pinguin und der Gentoo-Pinguin auf dem antarktischen Kontinent. Frühe antarktische Forscher dachten, dass Pinguine Fische seien, sie gehören jedoch zur Gruppe der Vögel. In der Tat „fliegen“ sie mit großer Fertigkeit und Eleganz durch das Meer. Ihr kompakter Körper hat ein Brustbein, das einen ausgezeichneten Kiel bildet. Als Antrieb haben sie massive Paddelmuskeln. Die Tiere können bis zu 40 Kilometern pro Stunde beschleunigen. Dabei ziehen sie sich ihre Köpfe zurück, um so zu einer perfekten hydrodynamischen Form zu gelangen. Wenn sie schnell schwimmen, machen Pinguine einen bis zu einigen Metern hohen Satz aus dem Wasser. Dies nennt man „Porpoising“ und es ermöglicht den Pinguinen zu atmen. Außerdem verringert es die Wahrscheinlichkeit, von anderen Jägern gefressen zu werden. Die antarktischen Pinguine haben auch die Fähigkeit entwickelt, aus dem Wasser heraus auf das Land zu springen. So können sie die Sicherheit der angehobenen Eisränder oder der Felsenleisten schnell erreichen. Im Gegensatz zum Wasser sind sie an Land häufig unbeholfen und watscheln oder hüpfen über die Felsen. Auf dem Schnee schieben sich sie manchmal auf dem Bauch über die gefrorene Oberfläche.

11) Wussten Sie dass ...

  • die Antarktis der beste Platz in der Welt ist, um einen Meteoriten zu finden? Bis heute wurden über 9.000 Fragmente auf dem Eis gefunden.
  • dass Pinguine zwischen 15 und 20 Jahre alt werden können?
  • dass vor 50 Millionen Jahren die Antarktis ein gemäßigtes Klima, Nadelwälder und eine Vielzahl an Tieren hatte? Wissenschaftler haben dies anhand von Fossilfunden  festgestellt.
  • die Antarktis 1820 von Seefahrern zum ersten Mal gesichtet wurde?
  • 1840 die Antarktis zu einem Kontinent erklärt wurde?
  • 2011 das hundertjährige Jubiläum der ersten erfolgreichen Südpol Expedition ist? Roald Amundsen hat als erster Mensch am 14. Dezember 1911 den Südpol erreicht.