15.11.2011 22:49

Tag 6 - White out auf SANAE und schwierige Entscheidungen

Wir sind heute in der Station mit dem Heulen des Windes und einem leichten Klappern der Inneneinrichtung aufgewacht. Ein Sturm mit 45 Knoten und Schneefall führte dazu, dass von der Umgebung nichts mehr zu sehen war. Ein klassischer White Out eben mit null Sicht.


Wegen heutigem Whiteout ein Foto von gestern Nacht, dem letzten Sonnenuntergang der Saison in der Antarktis.

Darum zeigen wir auch heute nur ein  Foto von gestern Nacht, dem letzten Sonnenuntergang der Saison in der Antarktis.

Über den Tag haben wir die beiden anderen Teams beobachtet. Gegen Mittag erreichte uns die Nachricht, das Dixie und Sam erst einmal abbrechen werden und das Plateau verlassen wollen. Sie kommen nicht aus den Sastrugifeldern heraus und leiden ebenfalls unter den hohen Windgeschwindigkeiten und der Kälte da oben. Jetzt müssen die beiden armen Hunde eine 800 Meter Landebahn für die Basler schaufeln und die Sastrugis einebnen, damit der Flieger überhaupt landen kann. Morgen, am 16. November sollen die beiden dann  abgeholt werden. Das ist kein Job, um den wir die beiden beneiden. Wir wünschen gutes Durchhaltevermögen!

Wir haben uns heute den ganzen Tag die Frage gestellt, was wir machen sollen. Wir hören von anderen Expedition, die planen, sich auf 81 Grad fliegen zu lassen (circa 1000 Kilometer weit ins Plateau hinein), um wirklich alle Sastrugifelder zu überwinden.  Dies ist keine wirkliche Option für uns. Auf der einen Seite ist es unbezahlbar. Auf  der anderen Seite ist uns der Pol nicht so wichtig, dass wir ihn uns auf diese Weise erkaufen würden. Die einzige erreichbare Alternative wäre für uns, die  Route von Copeland zu gehen. Doch auch dort kämen wir nur sehr langsam voran.  Von Novo aus würde das zeitlich nicht mehr reichen. In zehn Tagen 70 Kilometer zurückgelegt zu haben, ist auf die Entfernung gesehen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bis zum  Pol wären es  noch immer über 2.200 Kilometer, und das ohne wirkliche Perspektive.

Sich – wie Dixie es gemacht hat oder die Spanier es vorhaben, auf dem Plateau aussetzen zu lassen, wird nach unserer Einschätzung der Lage nicht wirklich helfen. Wir vermuten in der ganzen Fläche die Sastrugis.Die Wettersysteme, die übers Plateau fegen, sind sehr groß und da spielen einige Längengrade keine Rolle. Daher würde diese Option auch nicht wirklich etwas bringen. Nur, dass wir dann auf dem Plateau mit den gleichen Problem sitzen würden.

Was bleibt? Unsere  Erfahrung ist es, dass wenn etwas von Beginn an sehr schwierig läuft oder fast unmöglich ist, ändert sich daran in der Regel auch nichts . Da es für alle Expeditionen gerade sehr schwierig läuft, selbst für die auf der anderen Seite der Antarktis, erkennen wir das als die allgemeine Lage an. Und schwierig ist für die Situation der unendlichen Sastugifelder ein sanfter Ausdruck: Es ist unmöglich, in der gegebenen Zeit da durchzukommen.

Wir haben uns daher entschieden, nicht noch irgendwelche verzweifelte Aktionen zu unternehmen.Es war ein riesiger Aufwand und wir haben uns vielen Dingen in der Vorbereitung stellen müssen. Gerade an diesen Barrieren haben wir gelernt und uns entwickelt. Für uns war immer klar,  dass wir gerne zum Südpol wollen. Aber er ist  nicht das absolute Ziel.
Trotz allem gehen wir mit einem guten Gefühl nach Hause. Die wenigen Tage Erfahrung hier, speziell auch auf SANAE, haben einen tiefen Eindruck in uns hinterlassen.

Für Armin bedeutet dies, dass er, wie vorher schon angekündigt, mit polaren Expeditionen aufhören wird. Er hat mit 18 Jahren angefangen, in polaren Regionen unterwegs zu sein und im Verlauf unzähliger Touren und Expeditionen viel gelernt. Oft mit sehr viel Schmerzen und Verzweiflung, oft mit unglaublich schönen Erlebnissen. Jetzt kommt eine andere Zeit. Mit dem diesjährigen Abschied aus der Antarktis verabschiedet er sich  aus dem Expeditionsleben.  Noch einen Versuch wird es für ihn nicht geben.

Wir werden,  sofern der Whiteout dies ermöglicht, am Mittwoch den 16.November von SANAE ausfliegen und dann in der Nacht noch, falls die Iljushin auf uns warten kann, von Novo aus nach Cape Town zurück fliegen. Dort werden wir dannam Morgen des 17.November  an kommen.

Für Dieter bedeutet es, dass das Privileg und die Reise selbst ein wahrhaftiges Geschenk in seinem Leben ist. Der Fokus und die intensive Vorbereitung, die eine solche Expedition mit sich bringen,erfüllen ihn mit inneren Kräften, Kreativität und Selbstvertrauen. Dies wird für seinen  weiteren Weg unglaublich wertvoll und aufregend sein. Der Südpol als Symbol und Wegweiser wird weiterhin ein wichtiger Teil von seinem Lebensweg sein. Der Südpol als Ort ist nach wie vor ein Ort wie jeder andere auf dieser Erde, einzigartig...."

Auch wenn wir nur etwas mehr als zwei Wochen weg waren, kommt es uns vor wie schon eine Ewigkeit, seit wir Deutschland verlassen haben. Wir merken dass Zeit relativ ist ...

Aloha,
Armin and Dieter


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